Schwimmen – Die Freude bei Julia Hassler nach dem geschichtsträchtigen Erfolg an der Kurzbahn-EM in Dänemark ist riesig. Mit dem Gewinn der Bronzemedaille über 400 m Freistil sorgte die Schellenbergerin nicht nur für einen Eintrag in die Geschichtsbücher, nein, für sie geht auch ein Traum in Erfüllung.

 

So richtig glauben konnte es Julia Hassler nicht, als sie am Sonntagabend in der Royal Arena in Kopenhagen nach ihrem Rennen über 400 m Freistil auf die Anzeigetafel blickte. Da leuchteten nach der ungarische und der deutschen Flagge doch tatsächlich an dritter Stelle die Liechtensteiner Landesfarben auf. Mit einem riesigen Strahlen im Gesicht fiel sie ihrer deutschen Trainingskollegin Sarah Köhler in die Arme und blickte dabei immer wieder etwas ungläubig auf die grosse Leinwand ausserhalb des Beckens. Ein Traum? Nein! Julia Hassler ist Liechtensteins erste Schwimmerin überhaupt, die an einer Europameisterschaft eine Medaille holt und damit für einen Eintrag in die Sportgeschichtsbücher sorgt.

 

 

Und auch einen Tag nach ihrem grossartigen Erfolg, konnte es die Schellenbergerin noch nicht richtig fassen. Gut, wirklich viel Zeit, um darüber nachzudenken blieb ihr auch nicht. Vom Wettkampf ging es kurz ins Hotel, danach wurde gefeiert und nach nur zwei Stunden Schlaf stand bereits der Rückflug an. «Ich denke das wird sicher noch ein paar Tage dauern, bis ich das alles tatsächlich realisie­re», meint sie.

«Eine riesen Überraschung»

Dass Hassler zwar immer wieder für Topleistungen auch auf der internationalen Bühne gut ist, hat sie schon des Öfteren bewiesen. Schon der siebte Platz an der Langbahn-WM im Sommerüber 800 m Freistil dürfte bei der 24-Jährigen ganz weit oben in der Liste «Karriere-Highlights» aufscheinen, ebenso der vierte Platz, den sie kurz vor ihrem Medaillengewinn in derselben Distanz ins dänische Wasser zauberte. Aber eine EM-Bronzemedaille, damit hätte wohl niemand so wirklich gerechnet, am allerwenigsten Hassler selbst, wie sie sagt.

«Mein Ziel war es, so nah wie möglich an meine Bestzeiten heranzukommen. Dass es am Ende für einen Podestplatz reicht, ist einfach eine riesen Überraschung für mich.»

 

Dabei stand ihr Einsatz in der dänischen Hafenstadt kurz vor dem Startschuss sogar «auf der Kippe», wie sie sagt. Die Umstellung vom Fernstudium zum regelmässigen Besuch an der Universität in Mannheim, wo sie derzeit ihren Master macht, habe sie schon an ihre Grenzen gebracht. «Ich war mehr unterwegs, hab weniger geschlafen und alles war viel stressiger. Vor der EM habe ich aber gemerkt wie anstrengend diese Wochen waren und wäre beinahe krank geworden. Der Körper braucht ja auch Zeit, um sich zu regenerieren», so Hassler.

 

 

 

Ein Traum geht in Erfüllung

Entgehen lassen wollte sie sich das Highlight im Norden aber nicht. Das auch deshalb, weil die Trainings in den Wochen davor «wirklich gut liefen», und das, obwohl sie körperlich noch nicht ganz so fit gewesen sei wie beispielsweise im Sommer. Eine Erklärung für ihren fulminanten Auftritt im dänischen Wasser zu finden, fiel ihr derweil nicht leicht. «Es braucht manchmal auch einfach etwas Glück – und am Sonntag hat alles zusammengepasst. Ich bin einfach geschwommen und wusste bis zuletzt gar nicht, dass ich Dritte bin», blickt sie auf das Finale zurück.

 

 

Und für die Unterländerin geht mit dem Gewinn der EM-Bronzemedaille auch ein Traum in Erfüllung. «Schon als kleines Mädchen habe ich mir immer solche Ziele gesteckt. Erst war es der Landesmeistertitel, dann eine Medaille an der Schweizer Meisterschaft. Und als ich das erste Mal an einem solchen Grossanlass war dachte ich, es wäre schon einmal super, wenn ich da auch vom Podest herunterwinken könnte.» Das ist ihr gelungen und sie spricht von einer «Leistung, die ihr mehr bedeutet als alles Bisherige» in ihrer Karriere.

 

 

 

Hassler wäre aber keine Spitzensportlerin, wenn sie sich mit diesem Erfolg zufrieden geben würde. «Ich bin mit meiner Leistung wirklich sehr zufrieden, denke aber immer, dass es noch besser geht.» Und sie glaube auch, dass man diese geschichtsträchtigen Resultate in der Karriere erst so richtig realisiere, wenn man ganz aufgehört hat. «So geht es zumindest mir – denn darüber nachgedacht habe ich bisher nicht», so Hassler

 

 

Mit Blick auf die Langbahn-EM

Bevor die Schwimmerin des SV Nikar Heidelberg nun über die Festtage auch mal die Füsse etwas hochlegen kann, geht es Schlag auf Schlag. Noch diese Woche bestreitet sie in Lausanne einen weiteren Wettkampf. «Danach ist der erste Teil der Saison vorbei.» Der Blick von Hassler geht aber auch schon weiter. Denn im Sommer wartet mit der Langbahn-EM im schottischen Glasgow ein weiteres Highlight. Und einen kleine Prognose wagt die Liechtensteinerin schon jetzt: «Über 800 und 1500 Meter Freistil möchte ich ins Finale – vielleicht ist das ja nun auch über 400 Meter möglich. Wieder eine Medaille zu holen, wäre aber vermutlich ein zu hochgestecktes Ziel. Denn es ist schon ein Unterschied ob Lang- oder Kurzbahn.»