TennisDie abgelaufene «wirklich sehr gute» Saison, wie Kathinka von Deichmann betont, war gespickt mit Höhepunkten. Sei es die erstmalige Teilnahme an einem Grand-Slam-Turnier, oder aber der Vorstoss unter die Top-200-Spielerinnen der Welt. Die Vaduzerin ist glücklich darüber, «den nächsten Schritt» gemacht zu haben.

 

 

In Trainingskleidern erscheint Liechtensteins Tennisspielerin Kathinka von Deichmann zum vereinbarten Termin. Sie habe den Lift benutzt, sagt sie und fügt mit einem Schmunzeln an: «Ich kann im Moment keine Treppen laufen.» Seit Anfang der Woche befindet sich die 23-Jährige wieder im Aufbautraining für die neue Saison, und dass, obwohl sie erst vor zwei Wochen noch im polnischen Zawada auf dem Court stand.

 

Es ist dieser Ehrgeiz, der Wille, ständig an sich zu arbeiten, den die Liechtensteiner Tennissportlerin nicht nur jetzt, sondern das ganze Jahr über an den Tag gelegt hat. Und der grosse Aufwand hat sich wieder einmal ausgezahlt. Die Vaduzerin spricht von einem «richtig guten und recht konstanten Jahr», eines, das ihr gezeigt habe, dass sie auf dem richtigen Weg sei. Und das bestätigt auch die Statistik: Wie schon im Vorjahr machte die FL-Tennisdame im WTA-Ranking einen grossen Sprung. Von Position 285 ging es für von Deichmann knapp 100 Plätze weiter nach vorn – aktuell belegt sie in der Weltrangliste den 192. Platz. «Ich freue mich, dass es so ein erfolgreiches Tennisjahr war. Der Vorstoss in die Top 200 war wirklich wichtig für mich.»

 

 

Ein klein wenig Ärger ist dabei

Dass die Liechtensteiner Nummer 1 auf dem Weg dorthin aber nicht nur Siege bejubeln konnte, sondern sich auch mit der Kehrseite, den Niederlagen, auseinandersetzen musste, ist klar. Nach einem guten Auftakt im Frühjahr folgte für die Liechtensteinerin eine kurze Durststrecke. «Da war ich nicht mehr so stark, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich an höher dotierten Turnieren spielte.» Der Abschluss der Saison sei dann wieder besser gewesen. Ihre letztjährigen Punkte konnte sie grösstenteils verteidigen. «Ich habe gemerkt, dass ich spielerisch wirklich einen grossen Schritt gemacht habe – mit der Ausbeute bin ich auf jeden Fall zufrieden.»

 

Doch von Deichmann wäre keine Sportlerin, wenn sie sich über vergebene Chancen nicht auch ein klein wenig ärgern würde. Klar habe sie gehofft, dass sie sich etwas weiter vorn im Ranking halten könne – im Juli erreichte sie mit Rang 170 beispielsweise ihre beste Platzierung. «Wenn ich das ganze Jahr so gespielt hätte, wie zu Beginn der Saison, wäre das auch kein Problem gewesen. Enttäuscht bin aber nicht.» Dies gilt auch für die verpassten Turniersiege: Vier Mal stand sie insgesamt in einem Endspiel. Nur einmal, in Wiesbaden, durfte sie den Siegerpokal in die Höhe halten.

«Es waren alles ganz knappe Spiele und natürlich denke ich jetzt im Nachhinein: Ach, es wäre cool, wenn vielleicht noch ein Titel mehr dabei gewesen wäre.»

 

Grand-Slams: Der grosse Reiz

Mit einem weiteren Titelgewinn klappte es zwar nicht, dafür hielt die Saison 2017 für die Liechtensteinerin ein anderes, ganz besonderes Highlight bereit. Zum ersten Mal in ihrer Karriere vertrat von Deichmann nämlich die Landesfarben an einem Grand-Slam-Turnier. Und das auch noch ausgerechnet beim als «ältestes und prestigeträchtigstes» bezeichnete Tennisturnier der Welt: Auf dem «heiligen Rasen» in Wimbledon. «Das war ein absolutes Highlight. Ich war zwar am Anfang extrem nervös, doch es war einfach ein einmaliges Erlebnis.»

 


Gleiches gelte natürlich auch für die Teilnahme beim US Open in New York im August. «Es sind genau solche Sachen, für die ich mich den ganzen Tag abrackere. In diesen Momenten weiss man einfach, wieso man das Ganze überhaupt macht», schwärmt sie. Daneben gab es aber noch weitere Höhepunkte: Da wäre, wie bereits erwähnt, der Turniersieg in Wiesbaden, oder die ganz knappe Niederlage im französischen Poitiers gegen die Rumänin Monica Niculescu, derzeit Weltnummer 78. «Nach solchen Spielen merke ich, dass nicht viel fehlt, um weiter vorn dabei zu sein.»

 


Schnuppern an den Top 100

Ein gutes Stichwort, denn «vorn dabei sein» will die FL-Tennisdame auch in der kommenden Saison. «Meine Ziele sind die Qualifikation für das Hauptfeld an einem Grand-Slam-Turnier und im WTA-Ranking möchte ich in die Nähe der Top 100 kommen», so von Deichmann. Sie sei sich bewusst, dass dies schon grosse Ziele seien. «Es ist aber auf jeden Fall machbar, denn ich weiss, wo ich bin und was ich kann.» Damit sie dieses Vorhaben auch in die Tat umsetzen kann, ist neben Konstanz und dem nötigen Wettkampfglück auch eine gute Vorbereitung unerlässlich.

 

Vier Wochen bleiben der 23-Jährigen, um sich für die Saison fit zu machen. Neben Konditionstraining wird von Deichmann wie schon letztes Jahr trainingsmäs­sig an der Schweizer Meisterschaft in Biel, wo sie Titelverteidigerin ist, spielen. Bereits Ende Dezember geht es für sie dann in Richtung Aus­tralien. Dort warten ein ITF-Turnier und das erste grosse Saisonhighlight, das Australien Open. «Es ist eine etwas kürzere Vorbereitung, doch ich bin überzeugt, dass ich topfit in die Saison starten kann und meine Ziele erreichen werde», so von Deichmann.