Modellflug – Liechtensteins Modellflieger Stefan Kaiser ist bereit. Bereit, um mit seiner Maschine an der Weltmeisterschaft vom 3. bis 11. November in Argentinien eine Punktlandung hinzulegen. Die Schwierigkeiten: Starke Konkurrenz, ungewohnte Wetterverhältnisse sowie Neuerungen an seinem Flieger.

 

Es ist schon immer wieder erstaunlich, wie viele Sportler sich trotz der überschaubern Grösse unseres Landes und der wenigen Einwohner zur erweiterten Weltspitze zählen können. Sei es im Skifahren, im Tennis, im Schwimmen oder eben wie bei Stefan Kaiser: Im Modellfliegen. Der 25-Jährige, der sich den Traum vom Fliegen in gewisser Weise verwirklicht hat, zählt seit mehreren Jahren zu den absoluten Toppiloten in der Szene. Neben seinem wohl bisher grössten Erfolg, dem Titelgewinn an der Heim-EM 2014, scheint sein Name bei anderen Bewerben regelmäs-sig ganz weit vorn in der Rangliste auf. So beispielsweise auch an der letzten Weltmeisterschaft, 2015 in Dübendorf. Damals durfte sich der Gampriner die Bronzemedaille umhängen lassen.

 

«Liebe die Herausforderung»

Eine gewisse Erwartungshaltung bei seiner Familie, seinen Freunden und Fliegerkollegen, ist da natürlich auch im Vorfeld der anstehenden WM gegeben. Das ist aber auch kein Problem, denn Kaiser ist jemand, der sich selbst auch hohe Ziele steckt. Er «liebt die Herausforderung», wie er meint, und «geniesst jede Sekunde», in der er seine Maschine durch die Lüfte kreisen lässt.

Nicht verwunderlich, kann es der Unterländer kaum erwarten, beim Grossanlass in Südamerika sein Können unter Beweis zu stellen. «Die Vorfreude auf das Saisonhighlight ist riesig. Schon seit der letztjährigen EM bin ich mit den Gedanken bei dieser WM», so Kaiser. Dabei musste sich der FL-Modellflieger heuer sogar etwas länger gedulden. Denn anders als sonst steigt das weltweite Kräftemessen anstatt Ende Juli dieses Jahr erst im November. Die zusätzlichen Tage spielten Kaiser, der wie schon letztes Jahr auch heuer einige Änderungen an seiner Maschine vorgenommen hat, aber auch in die Karten – das, weil der Herbst bisher «ideales Flugwetter» bereit hielt.

 

 

 

 

Neuerungen haben sich gelohnt

Direkt nach der EM in Deutschland habe er das Motorensetup geändert. «Es ist ein neues Antriebskonzept, das etwas anders zu steuern ist», erklärt er. Etliche Trainingsstunden auf dem Flugplatz in Bendern waren nötig, um sich mit den Umstellungen zurechtzufinden. «Ich habe mich dann aber ziemlich wohlgefühlt. Durch die Neuerung muss ich als Pilot aktiver sein, mehr tun – das hilft mir, noch mehr im Moment zu sein.»

Die Bestätigung, dass sich die Änderungen gelohnt haben, erhielt der letztjährige EM-Vierte dann auch gleich am ersten Wettkampf. In Belgien sicherte er sich bei ziemlich windigen Verhältnissen den Sieg. «Es war ein super Test im Hinblick auf die WM. Denn in Argentinien erwarten wir ähnliche Bedingungen», so Kaiser. Der Badeort Villa Gesell in der Nähe von Buenos Aires, wo die Wettkämpfe durchgeführt werden, liegt auf Meereshöhe. «Der Flieger fühlt sich da ganz anders an. Da der Flugplatz direkt am Meer liegt, rechnen wir zudem mit einer starken Meeresbrise.» Schwierige Bedingungen, auf die sich der Modellflieger aus dem Fürstentum, aber bestmöglich vorbereitet hat. «Ich bin einige Male bei starkem Föhn geflogen», so Kaiser. Da sei zwar ein gewisses Risiko, dass die Maschine kaputtgehe, «aber ich glaube, dass mir diese Testflüge bei starkem Wind sicherlich weiterhelfen. Ich mag das, die Figuren aussehen zu lassen, als würde es windstill sein.»

 

 

 

Volle Konzentration auf sich selbst

Um sich mit den Gegebenheiten vor Ort schon vor den Wettkämpfen etwas vertraut zu machen, ging es für Stefan Kaiser und seinen Vater Robert, der ihn wie schon an der EM als Teammanager und Helfer begleiten wird, bereits vergangenen Sonntag nach Südamerika. Vor der grossen Eröffnungsfeier am Samstag, bleiben Kaiser und seinem Vater daher noch einige Tage, um das Flugverhalten der Maschine zu testen. «Das ist sicherlich nicht schlecht. Ich fühle mich bereit und weiss, auf was ich schauen muss», fügt er an.

 

 

 

Im gewohnten Modus (siehe Kasten) gilt es dann ab Sonntag ernst. Erst warten auf die Modellflieger vier Vorrundendurchgänge – davon werden die besten drei gewertet. Die besten 30 Flugkünstler schaffen anschliessend den Sprung ins Halbfinale, das nach einer kurzen Verschnaufpause am Freitag durchgeführt wird. Nach zwei weiteren Einsätzen steigt am Samstag dann das grosse Finale, bei dem die besten zehn Piloten mit vier weiteren Flügen um den Weltmeistertitel kämpfen. Und dorthin will auch Kaiser, auch wenn er sich gewohnt zurückhaltend gibt, was eine Platzierung angeht.

 

«Mir ist wichtig, dass ich meine Leistung abrufen, und zeigen kann, was ich draufhabe. Was dann drinliegt, ist schwierig zu sagen. Ich muss letztlich mit mir zufrieden sein – ich denke da aber von Tag zu Tag»

 

 

«Das Level steigt von Jahr zu Jahr»

Der Favoritenkreis bei dieser WM sei riesig, so Kaiser. Neben ihm haben etliche Piloten die Chance auf den Titel. So sicherlich der amtierende Weltmeister Christophe Paysant-le-Roux (FRA), oder der amtierende Europameister Gernot Bruckmann (AUT). Aber auch Vizeeuropameister Lassi Nurila (FIN), Vizeweltmeister Tesuo Onda (JAP), die Amerikaner Andrew Jesky und Jason Shulman sowie Robin Trumpp (GER), oder Sandro Matti (SUI) können vorn mitmischen. «Sie alle können den perfekten Flug hinlegen», so Kaiser. Es sei erstaunlich. «Die Figuren werden immer schwieriger, aber das Level steigt von Jahr zu Jahr. Man muss bei der Sache sein, denn es kann bei diesen schwierigen Bedingungen viel passieren.»