Eindrücklich Was Walter Eberle vollbracht hat, ist grossartig. Er hat es als handicapierter Athlet geschafft, an fünf Tagen in Folge einen Ironman zu absolvieren. Von der harten Vorbereitung über die fünf anstrengenden Wettkampftage bis hin zu einer unvergesslichen Zielankunft war alles dabei.

 

 

Mit einem Strahlen im Gesicht, erleichtert und von Erschöpfung keine Spur, überquerte Walter Eberle am Mittwochabend um 20:35 Uhr in Buchs die Ziellinie. Der handicapierte Liechtensteiner Sportler hatte aber nicht etwa ein kurzes Radrennen oder eine gemütliche Ausfahrt auf dem Rennrollstuhl gemacht. Nein, anlässlich des zweiten Swissultra in Buchs startete er beim Quintuple-Ultratriathlon und legte fünf Tage in Folge je einen Ironman zurück. In Zahlen ausgedrückt: 19 Kilometer im Schwimmbecken, ganze 900 Kilometer auf seinem Handbike und stattliche 211 Kilometer im Rennrollstuhl absolvierte Eberle in fünf Tagen. Eine einmalige Leistung, die Eberle selbst als «Höhpunkt in seiner sportlichen Karriere» bezeichnet.

 

Vorbereitung hat sich gelohnt

Damit der Schaaner die «emotionale Zieldurchfahrt» unter den Anfeuerungsrufen seiner Freunde und der Familie, aber überhaupt erleben durfte, war einiges an Arbeit nötig. Zumal der Triathlon für Eberle bis zu seiner Anmeldung Anfang März völliges Neuland war. «Es war eine lange Reise, bei dem alle Puzzleteile zusammenpassen mussten, um im Ziel anzukommen», meinte er am Tag nach dem Wettkampf.
Während er mit dem Handbike zuvor schon etliche Kilometer abgespult hatte, hielt sich seine Erfahrung im Schwimmen und auf dem Rennrollstuhl in Grenzen. Mit gezieltem Training über mehrere Wochen gelang es Eberle aber, sich für diese Disziplinen fit zu machen. «Vor allem das Training im Schwimmen war eine Punktlandung. Wir haben aber auch lange daran gearbeitet, bis alles passte.» Und auch im Rennrollstuhl fühlte sich der FL-Athlet nach einiger Zeit richtig wohl. «Irgendwann hatte ich die richtige Technik raus», fügt er an.

 

Seit letzten Samstag also standen für Eberle täglich die Distanzen im Becken (1,8 km) und auf der Rad- und Rollstuhlstrecke (180 km/42,2 km) auf dem Programm. Gut 13 Stunden war er täglich in Bewegung. Für manch einen ist nur schon die Vorstellung daran eine Tortur. Nicht aber für Eberle, denn ans Aufhören habe er aber während der ganzen Zeit nie gedacht. «Während des Rennens hatte ich bis auf ein paar Anlaufschwierigkeiten am vierten Tag ein wirklich gutes Gefühl.» Da sei das Training schon härter gewesen. «Da dachte ich mir oft was tust du dir da eigentlich an», meint er mit einem Schmunzeln. Dass der FL-Sportler immer wieder aufs Neue auf die Zähne biss, hat sich letztlich ausgezahlt. «Den letzten Tag konnte ich wirklich sehr geniessen. Der grosse Fanaufmarsch im Ziel war schon sehr emotional und ging mir wirklich unter die Haut», gesteht er. Und auch das Betreuerteam trug seinen Teil dazu bei, dass Eberle den fünffachen Ironman durchgestanden hat. «Neben der Verpflegung haben sie mich immer aufgemuntert und angefeuert.»

 

War diese Teilnahme einmalig?

Ein eindrückliches Erlebnis geht damit für Eberle zu Ende. An der gestrigen Siegerehrung in Buchs wurde er für seine ausserordentliche Leistung ausgezeichnet. Auf die Frage, ob er zukünftig nun öfter bei solchen Extremsport-Veranstaltungen anzutreffen sein würde, meinte Eberle:

«Ich habe Anfang Jahr gesagt, dass dieser Wettkampf vermutlich mein sportlicher Höhepunkt sein wird. Daher eher nein.» Und auch diese Aussage machte er, wie schon bei der Zieldurchfahrt, mit einem Strahlen im Gesicht.

 

 

 

 

«Ich glaube er hat sich selbst überrascht»

Grenzen durchbrechen –  Vom geliehenen Neoprenanzug, einer emotionalen Zieldurchfahrt und einem Vorbild für jeden Sportler: Organisator Daniel Meier ermöglichte Walter Eberle die Teilnahme am Swissultra und fand nur lobende Worte.

 

Ein paar Runden waren es, die Walter Eberle vergangenes Jahr beim Swissultra mit dem Organisator, Initiator und Teilnehmer Daniel Meier auf der Strecke verbrachte – als Zuschauer wohlgemerkt. Doch weshalb Eberle ein Jahr später selbst zu den Finishern gehörte, hat eine interessante Vorgeschichte. «Nach einer Anfrage eines handicapierten Athleten aus Frankreich habe ich mit Walter Kontakt aufgenommen. Wir haben die Möglichkeiten überprüft und ich konnte ihn letzlich überzeugen, dass er mitmacht», erklärt Meier.

 

Ein alter und neuer Anzug
Eberle hatte zwar lange Zeit Bedenken. «Er sagte, er kann nicht schwimmen ohne Neoprenanzug.» Daraufhin habe ihm Meier, der selbst den zehnfachen Ironman absolvierte, seinen alten Anzug angeboten. Von da an trainierten die beiden gemeinsam in Buchs. Und der Neoprenanzug war es auch, der für Gänsehaut bei Meier sorgte. Nachdem er seine 38 Kilometer im Wasser zurückgelegt hatte, sah er Eberle am Beckenrand. «Ich habe ihm meinen neuen Anzug gegeben.» Es stellte sich heraus, dass Eberle damit ein super Gefühl im Wasser hatte. Die 3,8 Kilometer absolvierte er dann jeweils unter zwei Stunden. «Es war der Wahnsinn, als ich das gehört habe – ich hatte Gänsehaut.»

 

«Das ging mir wirklich nahe»
Emotional habe ihn Eberle aber auch bei der Zieldurchfahrt berührt. «Ich glaube, Walter hat sich selbst überrascht. Er hat sich so gefreut, so gestrahlt. Das ging mir wirklich sehr nahe», gesteht Meier. Dass handicapierte Athleten auch zukünftig am Swissultra teilnehmen werden, damit rechnet der Organisator nicht. «Es gibt zu wenige, für die das überhaupt machbar ist.» Dennoch wünscht er sich, dass auch andere Athleten – egal ob handicapiert oder nicht – den gleichen Mut wie Eberle aufbringen. «Ich hoffe, er kann mit seiner Leistung Leute inspirieren, Grenzen zu durchbrechen. Zu zeigen, dass man etwas ausprobiert, was man einem selbst im ersten Moment vielleicht nicht zutraut.»