Trotz einer längeren Verletzungspause blickt Daniel Brändle auf eine «positive» Saison mit «vielen neuen Erfahrungen» zurück. Beim St. Andrews FC in der maltesischen Premier League kam er auf elf Einsätze. Wohin es den 25-Jährigen nun verschlägt, ist derzeit noch offen.

 

Mit dem WM-Qualifikationsspiel vom vergangenen Sonntag gegen Italien endet für den Liechtensteiner Daniel Brändle eine ereignisreiche, aufregende aber auch nicht immer einfache Saison. Nach seinem zweijährigen Intermezzo in der 1. Liga beim FC Münsingen zog es den Balzner vergangenen Sommer nämlich ins Ausland. Er kam beim St. Andrews FC auf Malta, in der höchsten Spielklasse, unter. Daneben absolvierte er sein Master-Studium im Bereich Marketing und Kommunikation. Trotz einiger strenger Wochen, konnte er sich «ziemlich gut nach dem Fussball richten», meinte er.

 

Der Start in die Saison «hätte nicht besser laufen können», blickt Brändle zurück. In den ersten sieben Partien stand er gleich sechs Mal in der Startformation – alles lief nach Plan. Zumindest bis zu den beiden Länderspielen Anfang Oktober gegen Albanien und Israel. «Ich habe mich im Training davor leider verletzt und ein Einsatz kam nicht infrage.» Er habe mit einer leichten Zerrung gerechnet, erklärt er. Doch auch als er zurück in Malta war, war an Einsatzzeit nicht zu denken. «Bei einer Untersuchung wurde dann festgestellt, dass ich mir einen grossen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zugezogen habe.» Es war eine Verletzung, die auch Auswirkungen auf den weiteren Saisonverlauf hatte. «Der Club war natürlich nicht wirklich begeistert, als ich verletzt von der Nationalmannschaft zurückkam», erklärt Brändle. Dazu kam, dass der Verein in der Zwischenzeit einen neuen Trainer engagiert hatte – Brändle selbst wusste davon aber nichts.

 

 

Eine «schwere Situation»

Bis kurz vor Weihnachten war für den Oberländer dann Regeneration angesagt. Zurück im Mannschaftstraining ging es allerdings nicht lange, bis der neue Trainer wieder auf Brändle setzte. Im ersten Spiel im neuen Jahr konnte der Mittelfeldakteur wieder auflaufen. Doch nach 45 «ordentlichen» Minuten, wie er meinte, ging es wieder auf die Bank. «Ich habe da einen Elfmeter verursacht und wurde gleich ausgewechselt. Von da weg war es eine wirklich schwere Situation», erklärt Brändle. Bis Ende Februar erhielt er keine Minute Einsatzzeit. Anschliessend reichte es zwar noch für fünf Teileinsätze, zur Stammelf gehörte der FL-Kicker aber bis zum Saisonende nicht mehr. «Neben dem Trainerwechsel, der sicherlich nicht ideal war, hat mir einfach die Verletzung einen Strich durch die Rechnung gemacht», fasst Brändle zusammen. Ganz unzufrieden sei er mit der Saison aber nicht: «Ich habe viel Neues gelernt und erlebt und bin froh, auch mal ausserhalb der Schweiz oder Liechtenstein gespielt zu haben.»

 

Dass vor allem auch darum, weil das Niveau auf dem südeuropäischen Inselstaat im Mittelmeer noch etwas höher ist als in der 1. Liga der Schweiz. «Der grösste Unterschied ist das Tempo, und man muss daher auch physisch nocht etwas stärker sein», erklärt der Nationalspieler. Zudem sei Fussball in Malta eine ziemlich emotionale Angelegenheit – «Spieler und Fans sind mit Herzblut dabei», fügt er an. St. Andrews beendete die Saison letztlich auf dem achten Rang – «eine gute Leistung», wie Brändle festhält. «Das Saisonziel hiess Nichtabstieg, was wir ohne grosse Probleme erreicht haben.» Das spreche auch für die gute Entwicklung – denn auch gegen die Topteams der Liga lagen für Brändle und seine Teamkollegen immer mal wieder Punkte drin.

Auch Heimatverein kommt infrage

Nach einer langen Saison, mit einem zuletzt etwas schwierigem Halbjahr wartete auf den Liechtensteiner Akteur vergangenen Sonntag dann ein weiteres Highlight. Zum Saisonabschluss stand für ihn das WM-Qualifikationsspiel gegen Italien an – das war wirklich ein toller Abschluss für mich.» Auch weil er im Hinspiel aufgrund seiner Verletzung das Kräftemessen mit dem viermaligen Weltmeister auslassen musste.

Dass Brändle nach der Sommerpause erneut beim St. Andrews FC auflaufen wird ist unwahrscheinlich. Sein Vertrag mit dem Premier-Lea-gue-Club endet am 30. Juni 2017. Genaue Pläne, wie es danach weitergeht, hat der 25-Jährige derzeit noch nicht. Geht es nach ihm, würde er sich eine weitere Saison in einer ausländischen Liga wünschen. «Das wäre super, wenn sich da etwas ergibt. Doch konkrete Angebote von Vereinen habe ich bisher noch nicht erhalten», so Brändle. Sollte daraus nichts werden, kann sich der Balzner aber auch durchaus vorstellen, wieder in der Schweiz oder gar in Liechtenstein zu spielen. Erste Wahl bei Brändle ist da natürlich sein Heimatverein, der FC Balzers. «Sollte ich hier bleiben, werde ich ziemlich sicher in dort in der 1. Liga spielen.» Neben dem Fussball wolle er aber auch eine Arbeitsstelle suchen. «Je nachdem wie das Gesamtpaket ausschaut, aber nur auf die Karte Fussball zu setzen, war eigentlich nie ein Thema», so Brändle.

 

Daniel Brändle im Interview mit dem LFV (Anton Banzer) vor dem Spiel gegen Italien

 

 

«Mindestens einen Punkt holen»

Zwar ist Brändles weiterer Verlauf seiner Karriere noch nicht fixiert, dass er künftig aber auch in der Nationalmannschaft dabei sein möchte, ist verständlich. «Ich bin noch keine Stammkraft, fühle mich mit meiner Rolle innerhalb der Mannschaft wohl und geniesse die Zeit.» Und auf ihn und seine Teamkollegen warten im Rahmen der WM-Qualifikation im Herbst interessante Aufgaben. Vor allem resultatmässig müsse in den Rückspielen schon noch mehr kommen, so Brändle. «Das Ziel muss sein, dass wir noch mindestens einen Punkt holen.»

 

Foto: M. Moser/M. Pescio