Mit der Gründung des Curling Clubs Vaduz Anfang Februar dieses Jahres wurde Liechtenstein um eine weitere Sportart bereichert. Im Vordergrund des Vereins steht vorerst die Rekrutierung von neuen Mitgliedern, harte Trainingsarbeit sowie das Erfahrungensammeln auf Turnierebene.

Fast 25 Jahre hat es gedauert, bis der Curlingsport in Liechtenstein aus seinem «Dornröschenschlaf» geweckt wurde. Der Verband Liechtenstein Curling Association (LCA) wurde vor gut einem Vierteljahrhundert gegründet. Es geschah damals aus einem einfachen Grund: Die World Curling Federation (CWF) brauchte, um als Weltverband anerkannt zu werden, Staaten, die auf die Schnelle einen Verband gründen konnten. Einer davon war der in Liechtenstein. «Es gab natürlich auch Spieler im Land, die sich dieser Aufgabe annahmen», erklärt Peter Prasch, Präsident des Curling Clubs Vaduz (CCV). Interessant dabei: Im selben Jahr nahm der LCA an der EM im schottischen Perth teil – und gewann auch Spiele.

 

«So schwer kann das ja nicht sein»
Ein neuer Anlauf, Curling auch im kleinen Fürstentum wieder hochleben zu lassen, wurde nun im Februar 2016 gestartet. Nach einem Besuch im kanadischen Whistler, wo 2010 auch Bewerbe der Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden, kam Prasch auf die Idee: «Ich habe mir überlegt, wie ich in meinem Alter vielleicht noch an Olympische Spiele kommen könnte.» Da es, wie er selbst sagte, beim Skifahren, Skispringen oder Eiskunstlaufen wohl nichts mehr werden würde, kam er auf die Sportart Curling. «Das erschien mir im ersten Moment als machbar – so schwer kann das ja nicht sein, dachte ich mir», so Prasch.
Nach einigen Recherchen musste er allerdings feststellen, dass das Ganze wohl anspruchsvoller sei, als zuerst angenommen. «Dennoch wollte ich es versuchen.» In seinem Freundeskreis wurde er auf der Suche nach Mitgliedern fündig: «Alle fanden die Idee gut und haben mitgezogen.» Das war die Geburtsstunde des Curling Clubs Vaduz, bei dem die rekrutierten Mitglieder auch gleich mit Vorstandsposten versehen wurden. «Den LCA haben wir parallel dann übernommen», führt Prasch aus.

 

Curling in 2 Minuten erklärt! 

 

Auf Mitgliedersuche
Curling ist vermutlich den meisten Sportfans ein Begriff, wie genau diese Sportart allerdings funktioniert, dürfte nur ein Bruchteil davon wissen. «Grundsätzlich geht es darum, einen 19 Kilogramm schweren Granitstein gefühlvoll in einen 45 Meter entfernten Kreis gleiten zu lassen», fasst Prasch zusammen. Wer näher am Zentrum sei, bekomme dann Punkte. Doch es steckt mehr hinter dem vorerst einfachem Prinzip: «Man muss die Steine vorausschauend und strategisch platzieren, um so die eigenen zu schützen und die gegnerischen zu schlagen», fügt er an. Bekannt ist Curling sicher auch durch das bekannte, im ersten Moment amüsant anmutende Bild, wenn die Athleten mit einem Besen vor dem Stein herumschrubben. «Die reinigen nicht etwa das Eis», so Prasch, «nein, mit dem durch die Reibung entstandenen Wasserfilm auf dem Eis können Länge und Richtung des Steins beeinflusst werden – dieses Wischen ist ein extrem wichtiger Bestandteil dieses Sports.»  Um den Curlingsport auch hier im Fürstentum populärer zu machen, sind neue Mitglieder ebenfalls ein wichtiger Faktor. Derzeit besteht der CCV aus sechs aktiven Spielern – vier werden für ein Team benötigt. Da derzeit in Liechtenstein eine Eishalle fehlt, sind auch die FL-Curler auf Hilfe angewiesen. Beim benachbarten Club in Wildhaus wird wöchentlich trainiert. Doch nicht nur das, auch die ersten Spiele sind geplant. So nimmt die Liechtensteiner Equipe beispielsweise an der Wildhauser Meisterschaft teil. «Aber auch bei weiteren Turnieren in der Schweiz werden wir an den Start gehen», so Prasch. Es wirkt, als hätte das Projekt «Curling in Liechtenstein» Hand und Fuss. Verdeutlicht wird das auch durch die Ziele, die sich der Club für die nächsten Jahren gesetzt hat. «In erster Linie geht es für uns darum, neue Mitglieder zu akquirieren.» Darunter vor allem Damen, denn anders als bei der reinen Herren- oder Damenkonkurrenz sei die Teilnahme an einer WM für ein Mixed-Team einfacher.

 

Ambitionierte Ziele für die Zukunft
In einem weiteren Schritt hoffe man, dass dem LCA bis Ende 2017 mindestens zwei weitere Curlingteams aus Liechtenstein angehören. «Für das Nationalteam haben wir uns nächste Saison die Teilnahme an der EM und WM als Ziel gesetzt», so Prasch. Etwas dauern dürfte es wohl noch mit einer Teilnahme an den Olympischen Spielen – denn Prasch weiss: «Nur durch gute Leistungen an der WM, kann man sich qualifizieren – und nur die besten zehn Teams werden zugelassen.»
Neben Teilnahmen an EM, WM oder Olympia ist den Clubverantwortlichen grundsätzlich eines wichtig: «Wir wollen der Bevölkerung den Sport Curling näherbringen und dafür begeistern. Es wäre schön, wenn es in den nächsten Jahren in allen Gemeinden einen Club gäbe.» Und auch die Trainingsmöglichkeiten sollen künftig attraktiver werden. «Eine eigene kleine Curlinghalle in Liechtenstein wäre super, vielleicht sogar eine grössere zusammen mit dem Eiskunstlauf- und Eishockeyverband – wir werden sehen», so Prasch.
Das erste offizielle Spiel hat der CCV jedenfalls bereits hinter sich gebracht. Am Montag traten die Liechtensteiner in Wildhaus gegen ein kanadisches Team an – und verloren dabei mit 1:13. Zustande kam die Feuertaufe durch eine Anfrage des Kanadiers Rob Swan, der sich zum Ziel gesetzt hat, zwölf Spiele in elf Tagen in zehn Ländern zu absolvieren. Der CCV lenkte ein und unterstützte so den Guiness-Weltrekordversuch des Nordamerikaners.