Für Michele Paonne war die WM in Zofingen vergangene Woche das Saisonhighlight. Mit dem 34. Platz in der Gesamtwertung konnte der Liechtensteiner überzeugen. Obwohl er auf den Schlusskilometern von seinen Kräften im Stich gelassen wurde, schaffte er es, die Ziellinie zu überqueren.

 

Was der menschliche Körper imstande ist zu leis­ten, ist schon erstaunlich. Das durfte auch Liechtensteins Duathlon-Athlet, Michele Paonne, am vergangenen Wochenende an der Weltmeisterschaft im schweizerischen Zofingen feststellen. 40 Kilometer Laufen und 150 Kilometer auf dem Rad galt es zurückzulegen. Bis kurz vor dem Ziel wäre Paonne in der Elitekategorie sogar auf Top-10-Kurs gewesen, doch dann verliessen ihn seine Kräfte. Nach knapp 7,5 Stunden überquerte der Athlet aus dem Fürstentum taumelnd die Ziellinie und durfte sich über den 34. Gesamtrang freuen. Im Interview mit dem «Volksblatt» spricht der Ausdauersportler über den Anlass in Zofingen und zeigt auf, welche Faktoren im Duathlon eine wichtige Rolle spielen, um vorn mitzulaufen.

«Volksblatt»: Michele, die WM ist vorüber und du hast es trotz schwieriger Umstände ins Ziel geschafft. Was bedeutet dir dieser Erfolg?

Michele Paonne: Es ist immer noch unglaublich, dass ich es überhaupt ins Ziel geschafft habe. Es ist wirklich verwunderlich, zu was der Kopf fähig ist, obwohl der Körper eigentlich nicht mehr will, oder besser gesagt kann. In diesem Fall ist die Platzierung zweitrangig, denn das Gefühl, es durchgezogen zu haben, ist einfach überwältigend.

Du warst eignetlich gut unterwegs. Ab wann hast du gemerkt, dass nichts mehr geht?

Ja, es lief zuerst eigentlich alles nach Plan. Ich war schnell unterwegs und habe mich richtig gut gefühlt. Dann kam die zweitletzte Laufrunde – ich schätze, es war etwa sechs Kilometer vor dem Ziel. Ab diesem Zeitpunkt ging gar nichts mehr. Ich bin anschliessend nur noch bis ins Ziel gewandelt.

Wie erklärst du dir diesen plötzlichen Zusammenbruch?

Das ist schwierig zu sagen. Ich hab mir schon einige Gedanken gemacht. In der zweiten Runde bin ich auf dem Kies ausgerutscht und habe mir das linke Bein komplett aufgeschlagen. Ich vermute, dass dies der Auslöser war – und der Schock erst etwas verspätet kam. Sicher kann ich es aber nicht sagen.

Du lagst zwischenzeitlich sogar auf dem siebten Platz. Ist da auch etwas Enttäuschung dabei, dass du dein Tempo nicht bis zum Schluss gehen konntest?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich es überhaupt ins Ziel geschafft habe. Als ich auf der Laufstrecke realisiert habe, dass ich Siebter an einer WM bin wurde mir schon etwas anders. Man läuft da gegen die weltbesten Athleten und ist soweit vorn platziert – das ist schon ein tolles Gefühl.

Was sicher interessant zu wissen wäre: Wieso tut man sich solche Strapazen an?

(Überlegt). Es ist halt so vom Veranstalter vorgegeben (lacht). Nein, auch ich dachte im Vorfeld, dass es extrem hart werden würde, die Strecke am Stück zurückzulegen. Aber ich muss sagen, dass die Zeit extrem schnell verging. Man ist in seinem Element und denkt von Etappe zu Etappe. Es tönt komisch, aber die 7,5 Stunden kamen mir vor wie zwei oder drei.

So ein Rennen braucht sicherlich auch eine spezielle Vorbereitung. Wie sah das bei dir aus?

Eigentlich habe ich mich seit Saisonbeginn auf diesen Anlass vorbereitet. Zuerst war noch die EM, wo ich vor allem im Sprintbereich trainiert habe. Danach ging es aber ziemlich schnell auf die langen Distanzen. Im Schnitt sind es etwa 20 bis 25 Stunden in der Woche, die ich ins Training investiere. Beim Radfahren bin ich meistens alleine unterwegs, beim Laufen trainiere ich oft mit Arnold Aemisegger. Da pushen wir uns gegenseitig, was sicher optimal ist.

Du hast sicher einige Eindrücke gesammelt. Was ist dir besonders in positiver Erinnerung geblieben?

Ich kann mich da nicht genau festlegen und muss sagen, dass eigentlich alles super gepasst hat. Der Anlass war wirklich von A bis Z top organisiert. Was einem als Athlet natürlich immer weiterhilft, sind die Anfeuerungsrufe der Zuschauer – da wirst du schon nochmal gepusht. Eindrücklich war natürlich auch die Eröffnungsfeier, als die ersten zehn Athleten, darunter auch ich, vorgestellt wurden. Es macht einen unglaublich stolz, neben den ganzen Weltklasse-Duathleten zu stehen und die Farben Liechtensteins zu vertreten – und natürlich auch ein Dank an den Leichtathletik-Verband, der mir das alles ermöglicht.

Es war dein Saisonhighlight. Wie sieht dein weiteres Programm aus?

Jetzt heisst es erstmal mental abschalten und die ganze Sache etwas sacken lassen. Sport und Wettkämpfe mache ich dann je nach Lust und Laune – aber dann sind es eher kleinere Bewerbe. Und anschliessend beginnt dann auch schon die Vorbereitung auf die EM und WM im kommenden Jahr.

Gibt es da schon eine Zielsetzung?

Man hofft natürlich immer darauf, dass man stärker zurückkommt. Ich habe dieses Jahr gesehen, dass ich lange Zeit gut mithalten konnte. Von daher ist es sicherlich das Ziel, an der nächsten WM in die Top10 zu laufen – das wäre grandios.