Gott, Religion, Glaube – ein Wegbegleiter für viele Menschen in schweren Situationen. Auch Triesenbergs Pfarrer, Georg Hirsch, schöpfte damals, als er den Schritt von Deutschland nach Liechtenstein wagte, seine Kraft aus dem Glauben an Gott.

 

Es ist neun Uhr morgens im Liechtensteiner Bergdorf Triesenberg, ein warmer Herbsttag, der Wind bläst einem angenehm entgegen. Im Tal unten eine dicke Suppe aus Nebel – hier treffen bereits die ersten Sonnenstrahlen auf die mit Raureif bedeckten Wiesen. Vor mir erstrahlt die Triesenberger Kirche – doch wieso? Das Treffen mit unserem Gemeindepfarrer Georg Hirsch steht an. Vor etwas weniger als zehn Jahren wagte er den Schritt in ein neues Leben – in die kleine Walsergemeinde namens Triesenberg. Von ihm wollte ich erfahren, wie er die Hürde «Fremd in Liechtenstein» gemeistert hat, und was die Relgion und der Glaube an Gott dazu beigetragen haben.

 

Von Eichstätt nach Triesenberg

Doch beginnen wir von vorn: Pfarrer Georg Hirsch ist am 27. März 1975 in Buchen im Odenwald (Deutschland) geboren. Nach dem Erwerb des Diploms als Volkswirt schloss Hirsch in Eichstätt in Oberbayern sein Theologiestudium ab. 2002 wurde er dann in Nendeln (Liechtenstein) zum Diakon geweiht. Vier Jahre lang war Hirsch als Kaplan in der Dompfarrei in Eichstätt tätig, als im Anschluss ein neuer Lebensweg für ihn beginnen sollte. «2006 kam der Erzbischof aus Liechtenstein auf mich zu und fragte mich, ob ich Lust hätte, das Pfarramt in Triesenberg zu übernehmen», erklärt der Priester. So ging es Schlag auf Schlag und ehe sich Hirsch versah, war er mittendrin. Dabei habe er sich früher kaum vorstellen können, seinen Heimatort zu verlassen. «Ich wollte eigentlich nie weg, doch durch die Religion wurde ich auch offener und wollte mich auch neuen Herausforderungen stellen», erinnert er sich zurück. Mittlerweile haben wir uns im hinteren Bereich der Kirche niedergelassen, die Atmosphäre mit dem hellen Licht in den wohlig nach Weihrauch duftenden Räumlichkeiten erinnerte mich an meine Erstkommunion oder die Firmung. Auch mein Gegenüber fühlte sich wohl, liess seine Augen immer wieder in Richtung Altar und Jesuskreuz wandern – eine angenehme ruhige Stimmung.

 

Der Walserdialekt als grosse Hürde

Doch das war nicht immer so. Als deutscher Staatsbürger musste sich Pfarrer Hirsch in der kleinen Walsergemeinde erstmal zurecht finden –Schwierigkeiten waren vorprogrammiert. So erzählt er mir, von einem ersten Treffen mit dem Frauenverein. «Da sassen einige Damen aus Triesenberg mit mir in einem Raum – der Dialekt war für mich zu Beginn völlig unverständlich und es war nicht einfach dem Gespräch zu folgen», meint er mit einem Schmunzeln. Die sprachliche Barriere stellte für ihn am Anfang das grösste Problem dar. «Das war schon ein kleiner Schock.» Knapp neun Jahre sind seitdem vergangen und mittlerweile fühlt sich Pfarrer Hirsch sichtlich wohl – zwar konzentriert, aber immer mit der nötigen Lockerheit beantwortet er meine Fragen. «Ich fühle mich integriert und sehr wohl hier», strahlt er. «Die Leute hier sind unkompliziert und haben mich mit offenen Armen empfangen und mir ihr Vertrauen geschenkt.» Dabei geholfen habe ihm natürlich auch seine Aufgabe als Pfarrer in der Gemeinde. «Ich habe eine fixe Aufgabe hier, werde gebraucht, was mir wenn ich zurückblicke Vieles einfacher gemacht hat», so Hirsch. Auch hierzu erzählt er mir mit leuchtenden Augen ein kleines Erlebnis, dass ihm in Erinnerung geblieben ist: Es ist der erste Tag als Religionslehrer in der Primarschule in Triesenberg – Mühe mit dem Triesenberger Dialekt inklusive. Die Kinder wollen alles über ihren neuen «Lehrer» wissen und durchlöchern ihn mit Fragen – natürlich im Dialekt. Pfarrer Hirsch gibt sich Mühe, versteht aber nicht alles, daraufhin meldet sich einer seiner Schüler: «Herr Pfarrer wir reden jetzt nur noch «Bärgerisch» mit ihnen, damit sie unseren Dialekt auch lernen.»

 

 

«Der Glaube hilft mir dabei»

Solche und auch weitere Sachen, wie Einladungen an verschiedenste Veranstaltungen, waren der Grund, dass sich Pfarrer Hirsch schnell in der beschaulichen Berggemeinde einleben konnte – vielleicht schneller als manch anderer. «Mein Vorteil lag mit Sicherheit in meinem Beruf. Ich war gleich in Aktion bei Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen – da ist es durchaus einfacher, sich mit der hiesigen Bevölkerung anzufreunden», erklärt er mir. Die Kirchenglocken begannen zu läuten – ein Zeichen? Aber für was? Ich nutzte die Gelegenheit, um mich nun mit dem zu befassen, was für einen Pfarrer an der Tagesordnung steht: Religion. Wie heisst das Sprichwort so schön: Der Glaube versetzt Berge – und so war es auch bei Pfarrer Hirsch. Der Glaube an Gott stärkt dich, gibt dir Kraft und man geht mit offenen Augen durchs Leben. «Auch wenn es nicht immer einfach war, der Glaube half mir dabei diese Zeit zu überstehen», so Hirsch. An welchem Ort der Glaube an Gott weitergegeben werde, spiele dabei aber keine Rolle. «Ob in Rom, oder in meiner alten Heimat – die Meinung Gottes kann ich überall vertreten.»

 

Ein Triesenberger durch und durch

Einzelne Personen betreten nun die Kirche, Pfarrer Hirsch grüsst sie, wie es in Triesenberg üblich ist, mit einem „Hoi“. Ein weiteres Zeichen im neuen Ort angekommen zu sein, sich eingebracht und integriert zu haben. Da wäre selbst der Weg als Pfarrer zurück in die Heimat kein leichter. «Natürlich wäre das eine Ehre, aber mir gefällt es hier gut und ich möchte auch nicht weg», so Hirsch. Keine Frage war mehr auf meinem Notizblock – ich blickte nochmal um mich, genoss die Stille, den Weihrauchduft, die beinahe mystische Atmosphäre. Wir machten uns auf den Weg nach Draussen – die Sonne präsentierte sich über den Berggipfeln, der warme Wind blies noch immer. Wir standen einen Moment da, genossen die wunderschöne Aussicht aufs Nebelmeer, liessen in Gedanken unser Gespräch nochmal Revue passieren und verabschiedeten uns wie es sich zwei Triesenberger gewohnt sind: «An schöna»

 

Hier noch zwei witzige Links zum Thema „Triesenberger“ Volk!

Goodbye Triesenberg – die Auswanderer
Hoi Triisabärg – Die Einwanderer